Text: Vilsbiburger Zeitung am Mittwoch, den 29. Januar 2014

"Burger Feld": Heizen mit Biogas?

BHKW Einweihung

Bürgermeister Helmut Haider bei der Inbetriebnahme des Gas-Blockheizkraftwerks an der Stadthalle. Im Hintergrund Werkleiter Wolfgang Schmid. Für das „Burger Feld“ stellt sich noch die Frage, ob die Versorgung allein mit Biogas funktioniert oder zusätzlich ein Gas-BHKW benötigt wird. (Foto: gs)

Aus dem Werkausschuss: Stadtwerke freuen sich über steigenden Stromverkauf

 

Von Georg Soller

 

Vilsbiburg. Bei der Beratung des Wirtschaftsplans der Stadtwerke für das Jahr 2014 wurden in der Sitzung des Werkausschusses am Montagabend auch eine Reihe von aktuellen Entwicklungen diskutiert, die das Geschäftsfeld der Werke in der Zukunft betreffen. Die Stadtwerke setzen eine Reihe von Maßnahmen für die „Klimakommune Vilsbiburg" in die Realität um. Sie sind dabei so gut, dass im vergangenen Jahr sogar eine Trendwende beim Stromverkauf eingetreten ist.

 

Seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 haben die Stadtwerke laufend Kunden verloren. Vor allem die von allen Stromanbietern umworbenen Großkunden wählten den günstigsten Tarif, und den konnten die großen Energiekonzerne leichter anbieten als die kleinen Stadtwerke.

 

Aufgrund ihres soliden Services haben die Stadtwerke aber außerhalb des eigenen Versorgungsgebiets in den vergangenen Jahren immer mehr Kunden dazugewonnen, sogar einige Großabnehmer sind zurückgekehrt. So ergab sich eine echte Steigerung bei der Energieabnahme um 15 Prozent. „Darüber haben wir uns sehr gefreut", sagte der Leiter der Stadtwerke, Wolfgang Schmid, in der Sitzung am Montagabend.

 

Wenig Wärmebedarf

 

„Vielleicht wäre die Akzeptanz der Biogasanlagen besser, wenn auch die Abwärme sinnvoll genutzt würde", sagte Klimamanager Georg Straßer bei seinem Vortrag am Montagabend. Straßer stellte die Situation der Biogasbetriebe in der Stadt Vilsbiburg vor und zeigte Möglichkeiten einer Nahwärmeversorgung mit Biogas auf, die sich jetzt erstmals mit dem Baugebiet „Burger Feld" anbietet. Vorstellbar wäre eine Versorgung durch die Anlage Mitterer in Dasching. Eine Umfrage bei rund 40 Anliegern der Rombachstraße, an deren Häusern die Leitung vorbeiführen würde, habe ergeben, dass etwa die Hälfte Interesse habe, sagte Straßer.

 

Werkleiter Schmid zeigte den Planungsstand einer möglichen Wärmeversorgung des neuen Baugebiets auf. So weiß man um den Wärmebedarf, den Umfang des Leitungsbaus und kennt die Trassenführung. Die Gespräche zu den Lieferbedingungen sowie die darauf folgende Wirtschaftlichkeitsberechnung stehen demnächst auf der Agenda. Sollte sich das Vorhaben rechnen, soll die konkrete Planung im Herbst erfolgen.

 

Eine an sich eine gute Entwicklung erweist sich dabei für die Wirtschaftlichkeit der Wärmeversorgung als Problem: Nachdem davon auszugehen ist, dass die Neubauten so geplant werden, dass sie mit möglichst wenig Wärme- und Energieverbrauch betrieben werden können, müssen die Stadtwerke von einem eher geringen Absatz ausgehen. Da es auch nicht vorstellbar ist, dass alle Häuser im Passivhausstandard gebaut werden, benötigt man aber auf jeden Fall einen umweltverträglichen Versorgungsträger. „Öl kommt da sicher nicht in Frage", sagte Bürgermeister Helmut Haider. Aber schon bei der Gasleitung stelle sich wieder die Kostenfrage, „denn auch die Gasversorger bauen nur dann Versorgungsleitungen, wenn sich die Kosten refinanzieren lassen".

 

Für die Hausbesitzer wäre die Wärmeversorgung durch die Stadtwerke langfristig gesehen die günstigste Lösung. Denn bei 6500 bis 7000 Euro Anschlusskosten ist die Übergabestation schon dabei: „Das ist günstiger als eine normale Gastherme, und hinzu kommt, dass man nie wieder Kosten hat - weder durch einen Kaminkehrer, noch durch eine neue Heizung nach 20 Jahren", sagte Xaver Peisl (CSU). Vergleiche man also nur die Verbrauchskosten, ist Gas noch immer günstiger, rechnet man alle Kosten mit ein, komme man mit der Wärmelieferung besser weg, hieß es im Ausschuss.

 

Die Stadtwerke müssten allerdings die Erschließungskosten durch diese Anschlussgebühren und öffentliche Zuschüsse zum großen Teil abdecken, weil die Verbrauchskosten sehr knapp kalkuliert werden müssen, damit sie konkurrenzfähig bleiben. Letztlich müsste - wie seinerzeit beim Thema Gasversorgung im Baugebiet Grub - eine Art Anschlussverpflichtung eingeführt werden, damit sich die Investition überhaupt rechnet.

 

Das „Burger Feld" wird für die Werke ohnehin teuer. Denn vor dem Beginn der Bebauung muss eine 40 Jahre alte Ringleitung der Wasserversorgung verlegt werden. Das kostet mehr als 250 000 Euro. „Die Frage ist: Wohin mit den Kosten", sagte Schmid am Montag.

 

Im Zuge der Versorgung des Baugebiets mit Strom soll auch eine „Speedpipe" verlegt werden, ein Rohrsystem zur problemlosen Verlegung von Glasfaserverbindungen. Neben einer Anbindung des Baugebiets ans überregionale Glasfasernetz überlegt man bei den Werken, ob man hier nicht auch modellhaft elektronische Wasserzähler verwenden soll, mit denen das Fernauslesen der Verbrauchsdaten von Strom, Wasser und Wärme erprobt werden kann.

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