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Stadt Vilsbiburg  |  E-Mail: stadt@vilsbiburg.de  |  Online: http://www.vilsbiburg.de

Text: Vilsbiburger Zeitung, 21.11.2017; Grafik: BDEW.

Stadtwerke halten Strompreis 2018 stabil

Die Entwicklung des Durchschnitts-Strompreises in Deutschland weist seit 20 Jahren eine insgesamt deutlich steigende Tendenz auf...

Entgegen dem allgemeinen Markttrend gibt es keine Tariferhöhungen für die Kunden

Vilsbiburg. Eine gute Nachricht gibt es für die Stromkunden der Stadtwerke: Auch im Jahr 2018 werden sie für ihre Energie nicht mehr bezahlen müssen. Wie Werkleiter Wolfgang Schmid im Rahmen eines Pressegespräches informierte, habe der zuständige Ausschuss des Stadtrates dem Vorschlag der Werke zugestimmt, die Preise unverändert zu lassen. Möglich machen diese kundenfreundliche Preispolitik laut Schmid gute Einkaufskonditionen für den Strom an den entsprechenden Börsen, von denen die Stadtwerke Vilsbiburg profitieren.

 

Ob nun der Strom aus dem Kernkraftwerk, vom Windrad oder einfach aus der Steckdose kommt, wie ja mancher Bürger kurzsichtig meint – bezahlt werden muss er auf jeden Fall. Und im bundesdeutschen Durchschnitt war das auf jeden Fall zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2017 eine stetig teurer werdende Sache. In diesem Zeitraum stieg nämlich laut Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) der Strompreis von 13,94 auf 29,16 Cent. Laut einer Statistik des Verbandes müssen die Deutschen aktuell auch die zweithöchsten Strompreise in Europa berappen, nur in Dänemark ist der Strom noch teurer. Glück hat vor diesem Hintergrund, wer Kunde bei den Stadtwerken Vilsbiburg ist: Für Kunden im Netzgebiet der Stadtwerke bleibt in der gängigsten Tarifvariante „VIB Aktiv“ der Preis auch im Jahr 2018 unverändert bei 25,37 Cent pro Kilowattstunde. „Der Werkausschuss hat einstimmig auf seiner jüngsten Sitzung am 23. Oktober diesen Preis genehmigt“, betonte Werkleiter Wolfgang Schmid im VZ-Gespräch.

 

Möglich mache diese Entwicklung, die dem allgemeinen Trend beim Strompreis entgegensteht, der erfolgreiche Stromeinkauf der Stadtwerke, wie Schmid erläutert. Im Rahmen der „Kooperationsgesellschaft Ostbayerischer Versorgungsunternehmen“, der auch die Stadtwerke Vilsbiburg angehören, habe man sich an der Strombörse die voraussichtlich für 2018 benötigte Strommenge bereits vorab zu einem guten Preis sichern können. „Solche Stromkontingente werden mittlerweile über einen Zeitraum von teilweise mehreren Jahren im Vorhinein gekauft, um von jeweils guten Preisen profitieren zu können“, erklärt der Werkleiter das Prozedere. Deshalb weiß man bei den Stadtwerken auch schon im Herbst 2017, welchen Preis man für den Strom im Jahr 2018 bezahlen müssen wird.

 

Strom wichtiges Standbein

 

Die Strom-Sparte ist das wichtigste wirtschaftliche Standbein der Stadtwerke Vilsbiburg, rund 80 bis 85 Prozent des insgesamt 13 Millionen Euro umfassenden Gesamtumsatzes entfallen darauf. „Entsprechend hat der Strompreis natürlich starke wirtschaftliche Auswirkungen auf die Werke“, unterstreicht Wolfgang Schmid. Aber anders als bei vielen in erster Linie auf Profitmaximierung ausgerichteten Stromanbietern ist der Strompreis bei den Stadtwerken Teil eines größeren Ganzen: Gewinne aus diesem Betriebszweig helfen wiederum dabei, andere Projekte der Stadtwerke zu realisieren, beispielsweise den Breitbandausbau. Deshalb könne man den Strom auch nicht zum Selbstkostenpreis anbieten. „Das würde es unmöglich machen, unsere Aufgaben für die Gesamtheit der Bürger zu finanzieren. Das Plus aus dem Stromverkauf bleibt aber so auf jeden Fall zu hundert Prozent in der Region.“

 

Zudem ist die Realisierung eines konkurrenzlos niedrigen Strompreises auch keineswegs oberste Prämisse der Stadtwerke. „Man findet heutzutage immer im Internet irgendeinen Anbieter, der günstiger ist“, räumt Schmid ein. Aber dafür hätten die Stadtwerke auch keine versteckten Fallstricke in ihren Verträgen oder Klauseln, die Kunden beispielsweise lange Laufzeiten aufzwingen. „Wir wollen transparente Tarife und für die Kunden verständliche Vertragsbedingungen“, begründet der Werkleiter die Geschäftspolitik des Eigenbetriebs der Stadt Vilsbiburg.

 

Vier Fünftel für den Staat

 

„Wenn sich Strompreise ändern, wird ja zuerst immer auf die Stromversorger geschimpft“, weiß Wolfgang Schmid aus der Praxis – unabhängig davon, dass die Kunden der Stadtwerke 2018 diesbezüglich keinen Grund zum Schimpfen haben werden. Aber was Schmid anfügt, macht deutlich, dass hier zumindest größtenteils der Falsche den schwarzen Peter zugeschoben bekommt: Vom Strompreis entfällt nämlich nur rund ein Fünftel, im konkreten Fall der Stadtwerke Vilsbiburg etwa fünf bis sechs Cent, tatsächlich auf die Kosten der Stromproduktion – der Rest sind vom Staat auf den Preis draufgepackte Steuern und Abgaben. Zum Beispiel die Umlage nach dem Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG). Diese beträgt aktuell 6,880 Cent pro Kilowattstunde. Nimmt man einen Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr an, wie in der bereits erwähnten BDEW-Statistik, sind das 240,80 Euro, umgerechnet etwas mehr als 20 Euro im Monat. Im Jahr 2004 hatte diesbezüglich der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) noch ganz andere Kosten für die Bürger angekündigt: „Es bleibt dabei, dass die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund einen Euro im Monat kostet – so viel wie eine Kugel Eis.“ Aus der Eiskugel ist mittlerweile ein schönes Abendessen geworden. Daran ändert auch nichts, dass die EEG-Umlage 2018 minimal auf 6,792 Cent pro Kilowattstunde sinken soll.

 

Für den Stadtwerke-Tarif von 25,37 Cent bekommt der Kunde übrigens auf jeden Fall einen hohen Anteil an Ökostrom geliefert, aktuell rund 50 Prozent – übrigens zum größten Teil staatlich gefördert nach dem EEG. „Das liegt an der hohen Einspeisung in Vilsbiburg, es ist also zudem lokal produzierter Strom“, macht Wolfgang Schmid besonders deutlich. 25 Prozent des von den Stadtwerken gelieferten Stroms stammen aus Kohle, rund acht Prozent aus Kernkraft und knapp 15 Prozent aus Erdgas. Vor allem die zahlreichen Photovoltaikanlagen seien es, die für den grünen Anteil am regulär gelieferten Strom sorgen. Schließt ein Kunde natürlich einen reinen Ökostrom-Tarif ab, wie es ihn bei den Stadtwerken ebenfalls gibt, werden Strombilanz und Verbrauchergewissen komplett grün und ökologisch. Was allerdings in die 50 Prozent Ökostromanteil nicht mit eingerechnet wird, ist das Windrad der Stadtwerke bei Postau – das steht nämlich außerhalb des Netzgebietes.

 

Bildunterschrift

Die Entwicklung des Durchschnitts-Strompreises in Deutschland weist seit 20 Jahren eine insgesamt deutlich steigende Tendenz auf, speziell der Anteil der Steuern, Abgaben und Umlagen wächst stetig (Grafik: BDEW).

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